Karl Heim (1874 –1958) war deutscher protestantischer Theologe und Professor für Systematische Theologie in Tübingen von 19201939; zudem war er Prediger in der Stiftskirche Tübingen bis 1948. Seine Forschungstätigkeit widmete er der Verhältnisbestimmung zwischen Theologie und Naturwissenschaften (v.a. in seinem Hauptwerk „Der evangelische Glaube und das Denken der Gegenwart“, 1931–1957). Der interdisziplinäre Ansatz Heims war auch Grund für die Namensgebung des Karl-Heim-Hauses, das sich dem Austausch verschiedener Studienrichtungen in Studienabenden u.a. Formaten verpflichtet sieht. Allerdings wollen die im KHH Studierenden sowie die Hausleitung nicht die problematische Seite des Namenspatrons ausblenden. Auf Heims Wirken in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur wird erst in jüngster Zeit ein Blick geworfen (Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Kampmann, Professor für Kirchenordnung und Neuere Kirchengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Tübingen im KHH im Dezember 2020; danach entsprechende Erweiterung des bis dahin lückenhaften Wikipedia-Artikels). In seiner Autobiografie („Ich gedenke der vorigen Zeiten“, 1957) liefert Karl Heim einen theologischen Deutungsrahmen zur Interpretation der Geschichte und schreibt alles Weltgeschehen letztlich dem Wollen Gottes zu; sein eigenes Wirken in den Jahren 1933–1945 versucht er in diesen Deutungsrahmen einzubetten. Zwar war Karl Heim kein Mitglied der NSDAP und bekleidete auch keine Parteiämter; aber er distanzierte sich auch stets von der Bekennenden Kirche. Später „delegierte“ er alle Schuld und Verantwortung am NS-Geschehen an Adolf Hitler; als typischer Vertreter der "Tübinger Linie" unterstützte Heim kirchlich zwar keinen deutschchristlichen, politisch aber einen nationalsozialistischen Kurs. Insofern Mitläufer, der er war, versagte er es sich jedoch nicht, sich nach der NS-Zeit zum (Fast-)Märtyrer zu stilisieren. Sein Verhalten wurde nach dem Krieg in keiner Festrede und in sonstigen Würdigungen je problematisiert. Im Herbst 2020 hat sich eine neue Gruppe im Haus gegründet, die sich mit dem Leitbild des Wohnheims und auch mit dem Namensgeber Karl Heim auseinandersetzt. Zusammen mit der Studienleitung Frau Dr. Kirsner haben sich einzelne Studierende die Theologie sowie Biografie Karl Heims näher angeschaut, um zu überlegen, wie wir uns in Zukunft zu unserer Namensgebung verhalten wollen. Ein gutes Fundament und eine klare Faktenlage bot der o.a. eindrückliche Vortrag von Prof. Kampmann im Dezember 2020, der die Forschungslücke aufarbeitete. Danach sind wir so verblieben, dass wir den Namen auf folgender Basis zunächst beibehalten: Wir verstehen uns im Karl-Heim-Haus als Gemeinschaft, die sich öffnet für andere Religionen, sich auseinandersetzt mit Fragestellungen, die sich aus dem Zusammenleben unterschiedlicher Studierender aus verschiedenen Disziplinen ergeben und wissenschaftliche wie erfahrungsorientierte neue Ansätze sucht. Dabei wollen wir die problematische Seite des Namensgebers im Bewusstsein behalten und verfolgen die weitere Forschung, die im Falle Karl Heims gerade erst begonnen hat.

(Inge Kirsner, Studienleiterin des Karl-Heim-Hauses, Zusammenfassung auf der Basis des Vortrages von Jürgen Kampmann „Zum Wirken Karl Heims in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur“, unvollendetes Manuskript, Stand 13.12.2020)